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TITELTHEMA
Leichtes Gepäck für Fieldday XXL
Helmut Müller, DF7ZS
sich Skeptiker mit Aussagen, wie „das
lohnt sich doch gar nicht“ oder „das ist
doch viel zu hoch“. Einigen „verrückten“
OMs war jedoch sofort klar, dass man so
ein Projekt unbedingt machen muss.
Denn das bringt bestimmt Spaß und
schlechter als ein FB-33 auf einem 10-m-
Mast wird es sicher nicht gehen.
Am ersten vollen Septemberwochenende findet jeweils der
IARU-Fieldday statt. Ziel des Wettbewerbes ist die Förderung
des vom Stromnetz und festen Antennenanlagen unabhängigen
Amateurfunkbetriebes. Diese Regel konnten die Organisatoren
des Fielddays XXL leicht befolgen – allerdings nur mit schwe-
rem Gerät.
Antennenplanung
im großen Stil
Das Projekt Antennenplanung hat unser
„Spiderman“ Barney, DK8ZB, übernom-
men, der bei einem Ortstermin und dem
Anblick der 30 t Material von der Bun-
deswehr sofort leuchtende Augen bekam.
Man konnte förmlich sehen, wie sein Ge-
hirn damit begann Ideen zu stricken, was
man damit alles anstellen könnte.
Auf 40 m Höhe sollte als erstes unser
5-El.-Monoband-Beam für 20 m einen
Platz bekommen, aber alles andere war
zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar.
Wenn man in diesen Dimensionen unter-
wegs ist, ergeben sich plötzlich auch ganz
neue Herausforderungen, an die man im
ersten Moment gar nicht denkt.
So kann man zum Beispiel ein Koax- und
Rotorsteuerkabel nicht einfach aus 40 m
Höhe herunterhängen lassen, sondern
muss das Eigengewicht des Kabels zwi-
Bild 1:
DF7ZS packte
beim Aufbau der
Antennen selbst an
anche Funkamateure verbin-
den das Wort Fieldday auto-
matisch mit Bratwurst und
Bier. Nicht bei unserem Team: Da kom-
men eher Gedanken an Masten und
Antennen auf. Seit Jahren erhöhen wir
den Aufwand beim Fieldday, um in der
Auswertung weiter nach vorne zu kom-
men, doch irgendwann sind wir mit un-
serer kleinen Mannschaft fast an der
Grenze des Machbaren angekommen.
Im Mai ergab sich zufällig der Kontakt zu
den benachbarten Ortsverbänden F49
und F51, die einen 40-m-Bundeswehr-
mast samt LKW an Land gezogen hatten
und auf der Suche nach Unterstützung
und Einsatzmöglichkeiten für das Mons -
ter waren. Sofort hatte ich eine E-Mail
verfasst und Interesse bekundet, den
Mast bei dem SSB-Fieldday der IARU im
September ausprobieren zu wollen. Nach
ein paar Telefonaten mit Ulrich Mauer,
DK9UMA, stand der gemeinsamen Field-
day-Teilnahme nichts mehr im Wege.
Nun stellte sich die Frage: Was macht
man eigentlich mit so einem 40-m-Mast?
Bringt das wirklich was? Sofort meldeten
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TITELTHEMA
schendurch abfangen. Weitere schwer-
wiegende Fragen ergaben sich mit der
Zeit: Was macht man, wenn es beim Auf-
bau gewittert? Wie viel Manpower
braucht man für die einzelnen Projekte?
Wie sieht der Notfallplan aus, wenn ir-
gendetwas nicht klappt?
Das waren Fragen über Fragen, die in un-
zähligen E-Mails, Telefonaten und nicht
zuletzt während eines Probeaufbaus des
Hauptmastes geklärt wurden. Ein paar
Fragezeichen blieben natürlich noch of-
fen – aber wenn alles zu perfekt ist, dann
macht es ja auch keinen Spaß.
allen Projekten gleichzeitig geschraubt
(Bild 1) . Allein der Aufbau des 40-m-
Mastes war schon ein Highlight. Wir
stellten einen 30 t schweren MAN 8×8
auf seine Position.
Anschließend wurde der Antennenträ-
ger mechanisch auf 30 cm hochgefah-
ren und dabei automatisch nivelliert.
Dann schwenkten elektrisch angetrie-
ben vier Standbeine aus, die mit Kugel-
köpfen auf speziell dafür vorgesehene
Bild 3: Mit einem zweiten Kran wurde die
Antenne angehoben, damit diese am
Rotor des 40-m-Mastes befestigt werden
konnte
Bild 2:
Dank der vier
massiven Standbeine
und dem Gewicht
von 30 t könnte der
40 m hohe Mast
auch Windgeschwin-
digkeiten von
120 km/h trotzen
Vorbereitung
für den Fieldday XXL
Nach wochenlangem schönen Sommer-
wetter und angenehmen Temperaturen
kam es dann 24 Stunden vor Conteststart
pünktlich um 15 Uhr wie es kommen
musste. Es begann zu regnen und zwar
richtig. Die Anreise zum Fieldday-Gelän-
de war wegen des Regens schon von Stau
und Verkehrschaos begleitet.
Endlich in Wächtersbach angekommen,
wartete dann die nächste schlechte Nach-
richt. Insgesamt hatten vier Helfer unse-
res Sieben-Mann-Teams wegen QRL und
anderen Gründen abgesagt, sodass ich
mit Ulrich zunächst alleine im Dauerre-
gen saß. Damit erübrigte sich die Pla-
nung, den großen Mast schon am Freitag
aufzubauen und die restlichen Projekte
am Samstag anzugehen. Wir haben also
den ganzen Abend damit verbracht, die
Station im Funkwagen einzurichten.
Am nächsten Tag um 7 Uhr öffneten wir
das Rolltor der Halle, in der das Material
für den Fieldday untergebracht war, und
siehe da: Der Regen hatte um die Hälfte
nachgelassen und störte unsere Vorkeh-
rungen nur in unregelmäßigen Abstän-
den. So konnten wir das 60 t schwere
Gerät auf der Fieldday-Wiese in Stellung
bringen. Unebenheiten, die mit einem
normalen PKW unfahrbar gewesen
wären, merkten wir in den großen MAN
8×8 Trucks überhaupt nicht.
Allein die Fahrt mit dem Gerät war ein
Erlebnis für sich. Immerhin gibt es
tatsächlich Eventveranstalter, die so et-
was als Vergnügungstour zusammen mit
Baggerfahrten, Fallschirmspringen und
Bungeejumping anbieten. In diesem Fall
war es aber einfach nur ein wesentlicher
Teil unserer Fieldday-Vorbereitungen.
Platten mit einem Durchmesser von
1 m gestellt wurden (Bild 2) .
Danach wurde die vorhergehende „Er-
höhung“ wieder rückgängig gemacht,
bzw. das 17 t schwere Fahrgestell ange-
hoben. Das ganze Gewicht lastete da-
mit nicht mehr auf den acht Rädern,
sondern nur noch auf den vier Stützen.
Durch das enorme Gewicht im Fuß-
punkt stand der Mast selbst bei Wind-
geschwindigkeiten über 120 km/h oh-
ne Abspannungen stabil. Als Nächstes
richteten die Contestteilnehmer den
Mast ein paar Meter auf, um genügend
Montagehöhe zu gewährleisten, sodass
der gerade zusammengebaute 20-m-
Beam, ohne auf dem Boden zu schlei-
fen, mit Hilfe eines zusätzlichen Kranes
(MAN 8×8 M1001) auf den Rotor ge-
setzt werden konnte (Bild 3) .
Nachdem alles verschraubt, gesichert
und nochmals geprüft worden war, fuhr
der Mast, abermals mit der Fernbedie-
nung gesteuert, in die Senkrechte. Kur-
zer SWR-Check – und dann ging es
„nur noch“ die fehlenden 33 m nach
oben auf die Endhöhe.
Alle Antriebe funktionierten über Spin-
deln oder Seilwinden. Auf 40 m Höhe
angekommen, wirkte der 15 m lange
Boom der Monoband-Yagi gar nicht
mehr so groß (Bild 4) . Dank unseres
Probeaufbaus ein paar Wochen zuvor
ging alles in Rekordzeit und völlig rei-
bungslos über die Bühne, doch die Uhr
tickte unerbittlich weiter.
Teilnehmer an dem
IARU-Fieldday XXL:
Gunnar Noack,
DG1HUD; Karl-Her-
mann Diehl, DL1KHD;
Dieter Werner, DB1ZG;
Ulrich Mauer,
DK9UMA; Georg
Rensonet, DD8ZX;
Wolfgang Schwarz,
DK9VZ; Gerd Bader,
DL4FAA; Gerhard
Schwanz, DH3FAW;
Markus Schwarz,
DD2SMA; Joachim
Bandrack, DK8ZB;
Helmut Müller, DF7ZS.
Noch vier Stunden
bis Contestbeginn
Nachdem der Großteil unseres XXL-Pro-
jektes geschafft war, wurde der MAN-
Kranwagen umgerüstet, um den 10-m-
Beam mit Hilfe des Auslegers in etwa
Der Aufbau
eines 40-m-Mastes
Nach und nach trafen auch die anderen
Teammitglieder ein, und es wurde an
Bild 4:
Die Monoband-Yagi
nach der Installa -
tion auf dem
40-m-Mast des
MAN 8×8 Trucks
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Bild 5: Die Teilnehmer am Wettbewerb verloren trotz der vielen Kabel nicht den
Überblick
fach das gewünschte Band nutzen
konnte, fielen wir im Vergleich zu un-
seren Vorjahreszahlen um bis zu 120
QSOs nach hinten. Die Teilnehmer wa-
ren frustriert. Sollte der riesige Auf-
wand wirklich nicht reichen, um auf
das Vorjahresergebnis zu kommen?
Gott sei Dank hörte in der Nacht der
Regen auf, und plötzlich wendete sich
das Blatt. Nach dem Tiefpunkt um
1800 UTC machten wir Stunde für
Stunde wieder einige QSOs gut und
konnten uns so aus dem Loch heraus-
kämpfen.
Bis zum Ende des Wettbewerbes hatten
wir es geschafft, 300 QSOs mehr ins
Log zu bringen als im Jahr zuvor. Mit
950 QSOs und etwa 490 000 Punkten
vor dem Logcheck war das unser bestes
Fieldday-Ergebnis. Letztes Jahr hätte
das für Platz eins gereicht, aber was am
Ende herauskommt, das wird man
natürlich erst nach der Auswertung se-
hen.
14 m Höhe zu bringen. Parallel arbeitete
ein Teil der Mannschaft an dem 15-m-
Monobander, der auf einem NVA-Mast in
ca. 18 m Höhe angebracht wurde. Leider
gab es einige Probleme bei der Abstim-
mung der Antenne, sodass diese mehr-
mals abgelassen werden musste, bis das
SWR einigermaßen stimmte. Der Zeit-
plan war durch den verregneten Freitag
so knapp geworden, das jedes erneute
Ablassen und jede weitere Minute, die
ins Land ging, ziemlich weh getan hat.
Schließlich standen zwei Stunden vor
Start die drei High-Band-Antennen funk -
tionsfähig auf ihren Masten.
Die nächste Baustelle waren die Low-
band-Antennen. Nach und nach wur-
den Hilfsmasten errichtet und an den
vorgesehenen Umlenkrollen weitere
Seile hochgezogen. Wir bauten für den
im Fieldday besonders wichtigen Eu-
ropabetrieb niedrige Dipole für 80 m,
40 m und eine Quad für 20 m auf. Für
den DX-Betrieb kam noch eine 80-m-
Groundplane und eine 2-El.-Quad für
40 m dazu.
Alle diese Antennen waren Marke
DK8ZB-Eigenbau, und auch wenn man
beim Anblick des „Drahtverhaus“ den
Überblick verlieren konnte, es hat alles
funktioniert (Bild 5) ! Das Einzige, was
nicht so ganz funktionierte, war die
Zeitplanung. Die Lowband-Antennen-
party sollte selbst zwei Stunden nach
Contest Start nicht abgeschlossen sein,
aber alles der Reihe nach.
CQ DL Spezial
„Shacks in der Natur“
Fazit
Im Nachhinein kann man sagen: Viel
hilft viel. Der Aufwand hatte sich wirk-
lich gelohnt, in zweierlei Hinsicht!
Zum einen ist es natürlich das Ziel, im
Contest möglichst viele Punkte zu er-
reichen, aber ein zweites verstecktes
Ziel haben wir auch erreicht. Wir woll-
ten zeigen, dass man auch über OV-
Grenzen hinweg spannende und erfolg-
reiche Projekte angehen kann. Ohne
die Unterstützung der Nachbar-Orts-
verbände F49 und F51 wäre das nicht
möglich gewesen.
In vielen Ortsverbänden gibt es aktive
Menschen, die gerne ihr Hobby mit at-
traktiven Projekten bereichern würden
(es gibt ja nicht nur Conteste!), aber oft
scheitert es an zu wenigen Mitstreitern
oder schlichtweg am Material. Wenn
man sich, besonders unter den kleine-
ren Ortsverbänden, die wenig bis keine
Aktivitäten haben, mal umsieht, wird
man feststellen, dass die Themen über -
all die gleichen sind.
Die Ähnlichkeiten der Interessen der
Mitglieder, die gerne etwas aktiver
wären, sind größer als man denkt.
Wenn man, aus welchen Gründen auch
immer, die Unterstützung nicht im ei-
genen OV findet, ist es keine Schande,
mal Nebenan anzuklopfen und gemein-
sam etwas auf die Beine zu stellen.
Am Ende zählt doch nur eins: Den
Amateurfunk aktiver, spannender und
attraktiver zu gestalten – gemeinsam!
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Viel Aufwand
aber kein Gewinn?
Eine Stunde vor dem Start warfen wir
den kleinen Generator für unsere
100-W-Station an und fingen an, die
restlichen Arbeiten im Funkwagen in
Angriff zu nehmen. Dort wurde alles
Schritt für Schritt in Betrieb genommen
und getestet (Bild 6) .
Um Punkt 15 Uhr Ortszeit waren wir
von 10…20 m voll Einsatzbereit und
hatten immerhin die EU-Dipole schon
zur Verfügung. Während draußen noch
eifrig gebastelt wurde, sollte der Con-
test losgehen, aber dann kam der erste
große Schock. Der Regen, der während
des ganzen Morgens immer wieder für
Kühlung sorgte, war so stark statisch
aufgeladen, dass 15 m und 20 m mit
S9 +20 Prasselstörungen völlig unbrauch-
bar waren! Selbst der sonst so hervorra-
gende DSP des IC-7700 kam damit
nicht mehr zurecht.
Im ersten Moment dachten wir an ei-
nen Defekt, aber in den Regenpausen
konnte man hören, dass die Antennen
einwandfrei funktionierten. Die JAs aus
dem All-Asia-Contest fielen teilweise
mit 10 über 9 auf dem Beam ein, und
das SWR war auch einwandfrei. Etwas
verunsichert durch die Störungen,
Zwangspausen und der Tatsache, dass
man in den ersten Stunden nicht ein-
Bild 6:
Trotz der umfang -
reichen Fieldday-
ausrüstung sieht
der Funkraum fast
genauso aus, wie
jedes andere Shack
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Zgłoś jeśli naruszono regulamin