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ANTENNEN
Idee der Starkstromtechnik
Drehstrom-Antenne
Bild2:
Röhrensender mit drei
HF-Durchführungen
Der Wirkungsgrad einer LW-Antenne mit
„amateurmäßigen“ Maßen liegt bei
0,1%. Grund genug, ständig nach Ver-
besserungen zu suchen. Eine Möglichkeit
dazu fand ich durch Vergleich mit der
ganz normalen Starkstromtechnik.
Unsere Drahtantennen kann man als Ein-
phasen-Wechselstromleitungen sehen.
Demgemäss ist die Leistung
immerhin +2,4dB aus. Manches Signal
wird dadurch erst hörbar. Der Trans-
port erfolgt vom Sender an den Wellen-
widerstand des freien Raumes. Dieser
beträgt 377" und ist bei Anpassung
ebenfalls rein ohmsch [3].
Nach soviel Theorie nun zur Praxis. Am
6. März wurden zwei Drehstrom-Ver-
suchsantennen aufgehängt, eine in Stern-
schaltung und eine in Dreieckschaltung
(Bild 1, drei Drähte) . Bereits am 14.
März wurden an einem Morgen fünf
neue Stationen gearbeitet, die vorher
nicht zu erreichen waren.
Bild 2 zeigt den bekannten Röhren-
sender [4] mit LS-50 und 14W Output
kurz vor dem Anschluss der Drehstrom-
antennen. Die Isolatoren sind betriebs-
mäßig für 6kV ausgelegt und sicherlich
etwas überdimensioniert. Aber welche
Wahl hat man schon, wenn einem ein
guter Freund nur diese und keine kleine-
ren zur Verfügung stellen kann. Leider
gibt es auf dem Bauteilemarkt auch noch
keine Dreiphasen-Koaxbuchsen.
Im Sender wurde – hier nicht sichtbar –
zusätzlich ein Ringkerntransformator
aus Eisenpulver untergebracht, der die
von der LS-50 einphasig angebotene
Leistung auf drei räumlich jeweils um
120° auf dem Umfang versetzte Aus-
koppelspulen verteilt (Bild3) .
Die Leistung in der Primärspule Lp regt
im Ringkern ein Magnetfeld an, das mit
der Kreisfrequenz %=2# ·f umläuft
[5]. Durch den Versatz der drei Sekun-
därspulen Lp, Ls, Lt (der Einfachheit
halber wurden die Bezeichnungen aus
der Drehstromtechnik übernommen)
entstehen in diesen jeweils um 120°
gegeneinander phasenverschobene
Spannungen, die den Antennendrähten
zugeführt werden.
Zwischen den beiden Antennensyste-
men in Stern- bzw. Dreieckschaltung
konnten bisher keine signifikanten Un-
terschiede festgestellt werden. Ich emp-
fehle daher für den Nachbau zunächst
die einfachere Dreieck-Anordnung.
Bleibt die Frage, warum Drehstrom-An-
tennen bisher nicht eingesetzt wurden.
Auf MW, KW und UKW haben die Anten-
nen Ausmaße in der Größenordnung ei-
ner Viertelwellenlänge und mehr. Ihre
Wirkungsgrade liegen bereits bei wenigs-
tens 95%, d.h. Verluste um 5%. Mit ei-
nem Drehstromsystem könnte man diese
Verluste zwar noch ca. 2% vermindern,
also den Wirkungsgrad auf 97% bringen,
aber das merkt am Empfangsort niemand.
Die Antennen kommerzieller LW-Statio-
nen haben riesige Ausmaße, mit denen
mittlere Wirkungsgrade erreicht werden.
N=U·I·cos$
Bei Anpassung sind Strom und Span-
nung in Phase, weil der Verbraucher
rein ohmsch ist. Daher wird cos$=1
und somit
N=U·I [nach 1]
Bild3:
Wandler 1-phasig auf
3-phasig, 137kHz
Für die Versorgung energieintensiver
Verbraucher entwickelten unsere Alt-
vorderen bereits sehr früh das Dreipha-
sen-Drehstromsystem. Darin ist die
Leistung
N=U·I·1,732·cos$ [nach 2]
Bei Anpassung also
N=U·I·1,732
Bild1:
Mit drei Drähten
arbeitende Drehstrom-
Versuchsantenne in
Dreieckschaltung
D.h.: Bei ansonsten gleichen Bedingun-
gen transportiert das Drehstromnetz
73% mehr Leistung als das Einphasen-
Netz. Natürlich gilt auch umgekehrt:
Eine gegebene Leistung (auf LW in DL
20W) wird in einem Drehstromsystem
um 73% verlustärmer an den Verbrau-
cher transportiert als mit einem Einpha-
sensystem. Das macht am Empfangsort
Im Prinzip würden sich hier Drehstrom-
antennen lohnen, aber es ist finanziell und
vom Platzverbrauch her untragbar. Man
stelle sich die Antenne von DCF77 am Se-
ligenstädter Dreieck verdreifacht vor!
Die besondere Situation der Funkama-
teure auf LW – kleine Leistung, kleine
Areale – erfordert einmal mehr Pionier-
geist und Forschung. Nehmen wir un-
sere Rolle verantwortungsbewusst
wahr! Walter Staubach, DJ2LF
Literatur und Bezugsquellen
[1] Friedrich, Tabellenbuch Elektrotechnik,
1982, S.2–37, Dümmler, Bonn
[2] ebenda
[3] EMV-Referat, Begleitunterlagen zum
Programm Watt, S.15
[4] CQDL 5/98, S.372
[5] Dubbel, Band II, S.781, Springer Berlin
1955
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CQ DL 4-2003
für Langwelle
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