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Manuskript_23.pdf
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Marktplatz - deutsche Sprache in der Wirtschaft
Sendemanuskript
Folge 23:
Franchising
Thema:
Franchising / Baumärkte
Autoren:
Carsten Kempf, Veith Hornig
Redaktion:
Thomas Kirschning
Die Personen:
Vater
Sohn
Baumarkt-Angestellter
Manfred Maus, OBI-Gründer
Maria Herendi, OBI Ungarn
Frigyes Filo, OBI Ungarn (sprich: Frigesch Filo)
Heimwerker
Sprecherin
Sprecher
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Vater:
Gib’ mir mal den Zollstock bitte!
Sohn:
Hier hast du ihn.
Vater:
So, Sohnemann. Dann werde ich mal abmessen, wie lang diese Latte ist. Dann wissen wir
auch, wie viele Schrauben wir brauchen, um sie festzumachen. Der Herbert hat nämlich
gesagt, alle 25 Zentimeter eine Schraube.
Sohn:
Alle 25 Zentimeter. Das ist aber ein ziemlich kurzer Abstand. Ob das so stimmt? Also, ich
weiß nicht...
Vater:
Jetzt reicht`s mir aber. Alles weist du besser! Entweder du bist jetzt ruhig und hilfst mir, oder
du gehst. Ich muß mich jetzt konzentrieren. Wenn man einen Dachboden ausbaut, dann muß
man nämlich vor allem streng logisch vorgehen...(Vater klappt das Metermaß auf)
Also alle 25 Zentimeter eine Schraube. Drei, vier, fünf, sechs. (Das Metermaß klappert) Wenn
man nämlich vorher nachdenkt, kann man sich nachher viel Arbeit ersparen. OK, sechs
Schrauben brauchen wir für ein Brett. Wir haben zehn Bretter, das macht dann also nach
Adam Riese 60 Schrauben. Die kannst du mir schon mal abzählen und hier hinlegen.
Sohn:
Oh Wunder! Dass ich auch mal was machen darf. Warte mal. Hier sind 8, und da noch mal 3
... . Tut mir leid, Papa, wir haben nur 13 Schrauben ...
Vater:
Das kann doch gar nicht sein. Du hast nicht richtig geguckt. Zeig' mal her. Wenn man in
diesem Haus nicht alles selber macht, dann wird das ja sowieso nichts. Das gibt's doch nicht.
Mist. Wir müssen wohl doch noch ein paar Schrauben kaufen. Und außerdem fehlen uns
auch noch die passenden Muttern. Und wenn wir ohnehin schon unterwegs sind, können wir
auch gleich noch die fehlenden Latten kaufen. Am besten, wir fangen bei Eisen Karl an.
Sohn:
Aber der hat doch über Mittag zu. Lass uns in den Baumarkt an der Ringstraße gehen. Da
bekommen wir alles unter einem Dach.
Sprecherin:
Alles unter einem Dach - das ist der Vorteil von Baumärkten gegenüber kleinen
Fachgeschäften. In Deutschland gibt es 4153 solcher Märkte, in denen so ziemlich alles
angeboten wird, was der Heimwerker braucht: Angefangen bei Holzlatten und Farbeimern
über Tapeten und Teppichböden bis hin zu Schrauben und Bohrmaschinen.
Heimwerkerbedarf ist gefragt: Insgesamt 64,7 Milliarden Mark gaben die Deutschen 1995
dafür aus.
Sprecher:
Viele der Baumärkte in Deutschland gehören zu großen Handelsketten - oder sie sind
selbständig, aber verkaufen ihre Produkte unter einem gemeinsamen, eingeführten
Markennamen: Experten nennen das Franchising, ein System, das auch in anderen Branchen
geläufig ist. Coca-Cola und McDonalds sind dafür berühmte Beispiele. Franchising heißt: Ein
selbständiger Unternehmer - der Franchise-Nehmer - pachtet eine profitable Geschäftsidee
samt Markennamen und zahlt dafür eine Gebühr. Und zwar an den Franchise-Geber, also an
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denjenigen, der die Geschäftsidee hatte und den Markennamen einführte. Nach diesem
System funktionieren auch die mehr als 300 deutschen Baumärkte der Firma OBI.
OBI-Gründer Manfred Maus erinnert sich an den Beginn seiner Firmenidee im Jahr 1970.
Maus:
Es gab in unserer Branche kein vergleichbares Beispiel. Ich habe mich damals sehr stark um
Franchising gekümmert. Hat mich sehr fasziniert die Idee, nämlich einen Systemkopf, einen
Franchise-Geber, eine Organisation aufzubauen, wo das Know-how gebündelt wird, um zu
einer Arbeitsteilung zu kommen. Es ist die modernste Form der Kooperation, in einem
straffen Rahmen zur Arbeitsteilung zu kommen. Nämlich einmal zu denken, und dreihundert
mal anzuwenden, muß produktiver sein, als dreihundert mal zu denken und dreihundert mal
anzuwenden.
Sprecher:
So produktiv funktioniert’s für Manfred Maus, der auch Vizepräsident des Europäischen
Franchise-Verbandes ist, in der Theorie. Doch wie soll das in der Praxis laufen?
Maus:
Erstens: Alle administrativen Aktivitäten aus dem einzelnen Laden herauszunehmen und auf
den Systemkopf zu verlagern. Dort kann ich Maschinen einsetzen, sprich: große
Warenwirtschaftssysteme, Computer. Es braucht 50.000 Artikel, um ein kompetentes
Sortiment darzustellen und ich brauch' dazu ein Warenwirtschaftssystem, wo jeder einzelne
Artikel auf der Eingangsseite und auf der Ausgangsseite erfasst wird. Das kann sich aber ein
Einzelner überhaupt nicht erlauben, weil es Millionen Investitionen bedarf. Wenn ich das in
der Gruppe mache, dann kann ich das bezahlbar machen.
Sprecherin:
Beim Franchising hängt alles von der Zusammenarbeit ab. Die Aufgaben sind klar verteilt.
Der Franchise-Nehmer kümmert sich um den Verkauf und führt das Personal. Im Gegenzug
regelt der Franchise-Geber alle anderen anfallenden Aufgaben, zum Beispiel
Marktforschung, Werbung, Präsentation, Buchhaltung und Kostenrechnung. Dafür zahlt ihm
der Franchise-Nehmer eine Gebühr. Im Fall von OBI beträgt sie 2,5 Prozent vom Umsatz.
Sprecher:
Dieses Konzept kam an. 1970 öffnete der erste OBI-Baumarkt in Hamburg seine Türen. Heute
gibt es europaweit 345 Märkte, die 1996 zusammen einen Umsatz von fünf Milliarden Mark
erreichen wollen.
Doch nicht allein die gute Geschäftsidee bescherte diesen Erfolg. Entscheidend ist für
Manfred Maus der Gedanke des “Do-it-yourself”, der in den 60er Jahren allmählich aufkam.
Auf deutsch heißt „Do-it-yourself“ schlicht und einfach: “Mach es selbst”. Warum sich dieser
Trend in der Bundesrepublik durchsetzte, hat für Manfred Maus vor allem einen Grund:
Maus:
Man muß natürlich schon bemerken, dass die Entwicklung des "Do-it-yourselfs" in
Deutschland ja nur möglich war durch die Freizeit, die es damals gab, wenn also die
Menschen am Freitagnachmittag um 15 Uhr oder um 16 Uhr, später - dann um 14 Uhr von
der Arbeit nach Hause kamen - dann hatten die ja Zeit - vom Freitagnachmittag, Samstag
und Sonntag – zu Hause etwas zu tun, also etwas Sinnvolles zu tun, nicht Biertrinken oder
vor der Glotze sitzen. ... Und das war eigentlich der Motor, dass ein solcher Riesenmarkt
entstehen konnte.
Sprecherin:
Die immer größere Freizeit war also Voraussetzung für das Do-it-yourself. Die eigentlichen
Gründe, selbst zuhause zu werkeln, sind jedoch unterschiedlich. Eine Untersuchung vom
Münchener Institut für Freizeitwirtschaft aus dem Jahr 1994 ergab: Wer selbst zuhause Hand
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anlegt, will vor allem sparen. Das sagten mehr als dreiviertel aller Befragten. Für mehr als die
Hälfte ging es auch darum, stolz auf die eigene Leistung zu sein. Gut 40 Prozent nannten als
Motiv schlicht “Spaß”. Und in Westdeutschland spielt auch noch die Unzufriedenheit mit den
professionellen Handwerkern und deren Leistungen eine große Rolle, stellte das Institut fest.
Sprecher:
Mehr Freizeit - das ist die Voraussetzung. Sparsamkeit, Spaß und Stolz - das sind die Gründe.
Und eine Dose Farbe - das war der Anfang. So sieht es jedenfalls Manfred Maus.
Maus:
"Do-it-yourself" hat damals angefangen in erster Linie mit einer Dose Farbe. Wenn der - ich
sag das jetzt mal ein bisschen burschikos - wenn der Alte zu Hause saß am Freitagnachmittag
und Samstag, hat nur seine Frau geärgert, dann hat sie ihn rausgejagt und gesagt: “Nimm
mal endlich 'ne Dose Farbe und ‘nen Pinsel in die Hand und streich die Fenster oder streich
den Gartenzaun” und so hat das angefangen und auf einmal hat ihm das Spaß gemacht und
er hat gesehen: Mensch das gelingt ja, ist ja wunderbar und so hat er sich vom
Fensterstreichen oder vom Gartenzaunstreichen auf einmal - er hat dazugelernt - an größere
Dinge gewagt und siehe da: Er hat ein Bücherregal gebaut.
Sprecher:
Bücherregale zu bauen - das ist für viele Heimwerker eine der leichtesten Übungen. Wer sich
freitags nachmittags oder samstags in einem Baumarkt umhört, der merkt, dass ein
Heimwerker eigentlich vor gar nichts zurückschreckt. Ein gestandener Heimwerker berichtet,
was er sich alles zutraut
Mann im Baumarkt:
Ja, alles Mögliche. Zum Beispiel Türrahmen lackieren oder so was, wenn man zu Hause was
macht, tapeziere oder so, muss ja auch mal vorkommen und das mach ich dann selbst. Dafür
hole ich mir keine Fachleute, die, wat weiß ich, hunderte von Marken kosten, das eine ist,
wenn man guter Handwerker ist, kann man das alleine machen, da braucht man nicht
irgendwie in ein großartiges Fachgeschäft hineinzugehen, da kann man sich das hier
genauso gut kaufen.
Ein guter Handwerker, der kann so einiges. Ich schrecke vor nichts zurück. Warum denn
auch? Überlegen sie doch nur einmal. Wenn sie Fachleute holen, was die kosten in den
Stundenlöhnen, ab hundert Mark aufwärts. Wenn sie ein guter Handwerker sind und trauen
sich einiges zu, glauben sie mal, da sparen sie einige tausende von Marken ein.
Vater und Sohn betreten einen Baumarkt. Kaufhaus-Musik.
Lautsprecher:
Herr Meier bitte nach Zwei A, Herr Meier bitte nach Zwei A.
Vater:
Wo hast du denn den Zettel? Wie viele Schrauben brauchen wir noch mal? Jetzt gib mir doch
endlich den Zettel!
Sohn:
Mensch Papa, reg dich ab. Hier hast du ihn. Hoffentlich schneiden die uns hier auch die
Holzlatten auf Maß. Sonst passen die nämlich gar nicht ins Auto.
Vater:
Mein Gott, was sind das lange Gänge hier. Hier muß man sich erst mal zurechtfinden.
Entschuldigen Sie, Sie arbeiten doch hier, wo finde ich denn hier die Schrauben?
Angestellter:
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Schrauben? Ja, dritter Gang links, gehen Sie ganz durch, und dann gleich auf der linken
Seite.
Vater:
Ja, danke schön. Dritter Gang links, und dann auf der linken Seite.
Sohn:
Mensch Papa, guck mal, die Lampen hier. So einen Deckenstrahler wollte ich immer schon...
Vater:
Also, dich kann man wirklich nicht gebrauchen. Kaum sind wir hier, redest du von Lampen.
Halt lieber mal deine Augen auf und guck, wo hier die Schrauben sind.
Sohn:
Hier, in diesem Gang müssen sie sein. Wer sagt`s denn. Da sind schon mal Schrauben. Jetzt
müssen wir nur noch die Richtigen finden. Vielleicht diese hier. Das müssten sie doch sein.
Vater:
Quatsch, die doch nicht. Wir müssen die hier nehmen. Guck, das ist die richtige Größe.
Obwohl, hmm. Diese hier sind genauso groß. Verflixt. Welche nehmen wir denn jetzt?
Sohn:
Also, ich blick da nicht mehr durch. Ich glaub', wir müssen einen Verkäufer fragen. Sonst
wird das nichts bei diesem Riesensortiment.
Sprecher:
Tatsächlich ist die Auswahl in großen Baumärkten fast unüberschaubar: 50.000 Artikel und
mehr sind keine Seltenheit. Wie ein Baumarkt-Sortiment im Einzelnen bestückt ist, das
orientiert sich ausschließlich an den Kunden-Wünschen.
Und die sind von Land zu Land verschieden. Türgriffe zum Beispiel, die in Deutschland
reißenden Absatz finden, bleiben anderswo in den Regalen liegen. Andere Länder, andere
Geschmäcker. Nur die Qualität, die muß überall stimmen. Diese Erfahrung machte auch OBI,
als der erste Baumarkt in Ungarn seine Türen öffnete. Manfred Maus erzählt:
Maus:
Die Reaktion war in Ungarn: Wir möchten das Beste an Qualität haben. Wir haben erlebt,
dass das Beste gerade gut genug ist. Wir haben erlebt, dass die Menschen - wenn sie Geld
ausgeben für ein Werkzeug, das Beste haben möchten...
Unterm Strich muss ich sagen: Die Qualitätsansprüche sind heute in etwa gleich wie in der
Bundesrepublik.
Sprecherin:
Und diesen Ansprüchen will OBI in Ungarn gerecht werden. Mitte 1994 eröffnete der erste
Baumarkt nahe Budapest seine Pforten. Mittlerweile verkaufen acht Märkte in Ungarn ihre
Waren unter dem Namen OBI. Weitere Standorte sind geplant.
Sprecher:
Um in Ungarn Fuß zu fassen, setzte das Unternehmen auf das bewährte Erfolgsrezept: das
Franchising. Wie das System von Franchise-Geber und Franchise-Nehmer für den ungarischen
Markt aussieht, schildert Manfred Maus:
Maus:
...und die deutsche OBI-Systemzentrale hat wiederum eine 100prozentige Tochter in Ungarn.
Und das ist die OBI-Systemzentrale Ungarn in Budapest. Und dieser Systemkopf ist der
Plik z chomika:
dariaburaczek
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